Die Geschichte des Trompeters

 

Wahrheit, Legende und Dichtung des "Trompeters von Säckingen"

Der Dichter Josef Viktor von Scheffel hat um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinem "Song vom Hochrhein" dem "Trompeter von Säckingen", die Stadt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.

Was jedoch viele vielleicht nicht wisse ist, daß diese Geschichte ihren realen historischen Hintergrund hat.

Franz Werner Kirchhofer, wie der "Trompeter von Säckingen" mit bürgerlichem Namen hieß, erblickte als siebtes von acht Kindern am 1. April 1633 das Licht der Welt. Geboren in den unruhigen Tagen des 30-jährigen Krieges, war seine Jugend erfüllt von den stürmischen Ereignissen jener Zeit.

Franz Werner war gerade zwei Jahre alt, als sein Vater 1635 an der Pest starb, die ein Zehntel der Säckinger Einwohnerschaft hinweg raffte. Bewußt erlebte der damals fünfjährige Bub wohl zum ersten Mal alle Schrecken eines feindlichen Überfalls, als 1638 die Schweden die Stadt besetzten und plünderten. Hunger und Not begleiteten den Krieg und die Bürger waren verarmt und auf Jahre hinaus mit Kontributionen und Schulden belastet.

Die Ereignisse der Kindheit mögen den Charakter Werners mitgeformt haben. Er blieb zeitlebens ein unruhiger Mensch, der selbstbewußt und stolz durch die Gassen schritt, oft seinen eigenen Weg ging und bei der Bürgerschaft nicht immer lauter Freunde hatte.

Mit 19 Jahren tauchte er an der Universität in Freiburg als Student der Rhetorik auf. Nach einem oder zwei Semestern kehrte er wieder nach Säckingen zurück und nun bahnte sich das Liebesverhältnis zu Maria Ursula von Schönau an, über dessen genaue Umstände uns leider keine Nachricht überliefert ist.

Im Jahre 1657 muß die Vermählung erfolgt sein. Daß die Hochzeit nicht in Säckingen gefeiert wurde läßt die Schwierigkeiten ahnen, die sich dieser Verbindung hier entgegenstellten.

Die Herren von Schönau, als weltliche Verwalter beim hiesigen adeligen Damenstift, hatten ihre Residenz in dem Schlößchen im Westen der Stadt. Dort wurde am 21. Mai 1632 Maria Ursula geboren. Sie war ebenfalls noch ein Kind als ihr Vater starb. Ihre Verbindung mit Werner Kirchhofer widersetzte sich vor allem ihr Bruder Otto Heinrich, ihr Stiefbruder Franz Rudolph und ein Verwandter, Oberst von Grandmont, Obervogt der Herrschaft Laufenburg. Sie machten Maria Ursula nicht nur ihr zustehendes Erbe streitig, sondern versuchten das junge Paar zu verjagen. Herr von Grandmont verbot Werner Kirchhofer sogar durch öffentlichen Ausruf das Betreten der Stadt und der Herrschaft Laufenburg und ließ ihn "aufs höchste verfolgen". Doch Kirchhofer wußte sich zu wehren. Als er vom Magistrat der Stadt keine Unterstützung gegen die Verfolgungen erhielt, wandte er sich direkt an die vorderösterreichische Regierung in Innsbruck und fand hier bei Erzherzog Ferdinand Carl sofort tatkräftige Hilfe. Dieser richtete im April 1659 ein energisches Schreiben an die Schönau’schen Brüder und an Herrn von Grandmont. Daraufhin hörten die direkten Belästigungen auf, der Erbschaftsprozeß jedoch zog sich noch jahrelang hin.

Trotz aller Schwierigkeiten gründeten Franz Werner und Maria Ursula nach der Vermählung ihren Hausstand in Säckingen und gewannen im Laufe der Jahre Achtung und Hochschätzung der Mitbürger. Franz Werner wurde mehrere Male Mitglied des großen Rates und im Jahre 1678 auch Stadtschreiber. Auch trat er als "Symphoniacus" und Dirigent der Sängerknaben beim fürstlichen Stift in Erscheinung, was wohl Scheffel veranlaßt haben mag aus ihm einen "Trompeter" zu machen.

Durch den Salzhandel, dessen Staatsmonopol Werner Kirchhofer für das obere Rheinviertel in Pacht hatte, erwarb er sich ein ansehnliches Vermögen. 1679 kaufte er das Haus "zum Sternen" in der Säckinger Rheingasse, nahe der heutigen 400 Jahre alten Holzbrücke, wo der "Trompeter von Säckingen" mit seiner Familie zeit seines Lebens wohnte.

1688 wurde Franz Werner Kirchhofer Mitglied des Zwanziger-Rates, wurde zum Weinumgelter und Fleischschätzer bestellt und erhielt die Oberaufsicht über die Rheinfähre, die, da die Brücke niedergebrannt war, den Verkehr zwischen der Stadt und dem linken Rheinufer besorgte.

Als angesehener Mann starb Franz Werner Kirchhofer am 31. Mai 1690 und ein knappes Jahr darauf, am 21. März 1691 folgte ihm seine Gemahlin Maria Ursula geborene von Schönau nach. Von den fünf ihrer Ehe entsprossenen Kindern starb ein Knabe im Kindesalter, zwei Söhne studierten Theologie und die beiden Töchter verheirateten sich.

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Legende

Diese ungewöhnliche Verbindung zwischen Bürgersohn und Freiherrentochter beschäftigte die Gedanken der Säckinger und erfüllten ihre Gespräche. Bald spann sich die Legende um Franz Werner und Maria Ursula, deren Bestätigung sich beim Betrachten des alten Grabsteines an der Außenwand des Fridolinmünsters noch heute vertieft.

Dichtung

Als Scheffel in den Jahren 1850 und 1851 in Säckingen weilte, erfuhr auch er von dieser sagenumwobenen Liebesgeschichte. In jenen Jahren bedrückte ihn selbst eine unglückliche Liebe. Auch in seinem Beruf unzufrieden, entschloß er sich nach Italien zu gehen um Maler zu werden. Dort verwoben sich in seinem Geiste die Sehnsucht nach der Geliebten, das Heimweh nach der vertrauten Atmosphäre der alten Waldstadt am Rhein und die Geschichte von Werner Kirchhofer und Ursula von Schönau zur Dichtung. In Capri schrieb Scheffel sich mit dem "Song vom Trompeter von Säckingen" sein eigenes Erleben von der Seele.

Nun wurde Ursula zur Margareta und Jung Werner zog, vom Freiherrn abgewiesen nach Rom. Als Dirigent der päpstlichen Hofkapelle sah er eines Tages unerwartet die längst verloren geglaubte Geliebte unter den pilgern im Petersdom. Der Papst, gerührt vom Schicksal der beiden, beseitigte die trennenden Hindernisse und glücklich verbunden kehrten Werner und Margareta wieder heimwärts in das jubelnde Städtchen und in das freiherrliche Schloß.

1854 erschien der "Trompeter von Säckingen" zum ersten Mal und in kurzer Zeit wurde er zum Lieblingsbuch seiner Zeitgenossen, deren romantische Gefühlswelt darin ihren ansprechendsten dichterischen Ausdruck gefunden hatte. So hat Scheffels Trompeter, ein echtes Kind der Romantik des 19. Jahrhunderts, den Namen Säckingens in alle Welt hinausgetragen und die Waldstadt am Hochrhein berühmt gemacht.

A. Enderle-Jehle, April 1998

Trompeterlied