Geographische Lage und Geschichte
Nagai, circa 300 km nördlich von Tokio gelegen, ist eine Stadt mit 33.000 Einwohnern und hat eine Fläche von 215 Quadratkilometern. Es wurde 1954 durch den Zusammenschluss von sechs Dörfern, Chifo, Hirano, Isazawa, Nagai, Nishine und Toyoda gegründet, dessen Mittelpunkt Nagai ist. Der Ort ist umgeben von den Bergen Asahi, Iide und Dewa, von Wäldern, Reisfeldern und Obstplantagen. Die Stadt liegt auf der linken Seite des Flusses Mogami und entwickelte sich im Mittelalter zu einer Königsresidenz. Während der Tokgawa-Herrschaft von 1600 bis 1867 war Nagai als Handelsstadt begehrt, da besonders die landwirtschaftlichen Produkte auf dem Wasserwege zu den Hauptstädten Osaka, Kyoto und Edo transportiert wurden. Seinerzeit gab es herrschaftliche Schlösser und riesige Lagerhäuser, in denen Reis, Benibana (Saflor zum Färben), Urushi (japanischer Lack), Aoso (eine Art Flachs), sowie Seide und noch andere Produkte lagerten.
Tourismus
Rund 800.000 Besucher bewundern jedes Jahr die Berge, von denen Nagai umgeben ist, deren Gipfel fast immer grün sind, auf denen zu jeder Jahreszeit eine Vielzahl von Blumen blühen.
Besonders schön ist es auch zur Kirschblütenzeit oder wenn im Park "Weiße Azaleen" dreitausend dieser Pflanzen, bis zu 750 Jahre alt, auf einer 30.000 Quadratmeter großen Fläche blühen. Im Park namens "Japanische Iris", der 33.000 Quadratmeter groß ist, werden sogar eine Million dieser Pflanzen in 500 verschiedenen Arten kultiviert. Das ist in Japan einmalig. Etwas kleiner ist der Kleebusch-Park mit seinen 15 verschiedenen Arten. Auch die Färbepflanze Benibana ist eine Spezialität von Nagai. Hinzu kommen die Naturschönheiten des Nogawa-Tales und der Kijiyama Dom als alpiner Zugang zum Asahi-Gebirge. Eine große Anzahl von Gebirgspflanzen, sind im Nationalpark dieser Gebirgskette beheimatet. Der höchste Punkt ist der Gipfel des Oasahi (1.870 m). Hier kann der Tourist nicht nur wandern in einer oft abenteuerlichen Atmosphäre, auch das Schifahren auf dem Mt. Zao ist möglich, ein Anziehungspunkt selbst für viele Bewohner der japanischen Hauptstadt Tokio. Es gibt zwei Schilifte und zwei Berghütten bieten Verpflegung und Schutz.
Und wer das ungebundene Ferienleben liebt, auf den beiden Campingplätzen findet jeder schnell Kontakt zum Nachbarn.
Wem es in den kalten Tagen zu eisig ist, den laden die zahlreichen heißen Quellen dieser Gegend zum Verweilen und Aufwärmen ein.
Die landschaftlichen Schönheiten und vor allem die Blumen "verführen" zum Feiern. Da gibt es in der letzten Maiwoche die Messe der "Weißen Azalee" oder von Mitte bis Ende Juni die Messe der "Japanischen Iris", das ist die Wappenblume Ayame, auf der auch der Ayame-Tanz aufgeführt wird. Natürlich ist auch dem Kleebusch von Mitte August bis Mitte September ein Fest gewidmet. Mit einem Riesenfeuerwerk wird die Mitte des Monats Juli gefeiert. Im Herbst gibt es analog zu unserem Erntedankfest einen Tag, an dem mit dem Löwentanz die bösen Geister aus den Häusern vertrieben werden. Dieser "Oshishi" ist eine mit einem Löwenfell bedeckte Strohpuppe.
Landwirtschaft und Industrie
Bewahrt wurden über Jahrhunderte die mit dem Namen Nagai unverrückbar verbundenen Kokons zur Herstellung der Tsumugi-Seide, durch die der Ort sehr wohlhabend wurde. So nennt man Nagai auch ein "Mekka der Textilindustrie", da die Nagai-Tsumugi eine Seide von ganz besonderer Schönheit ist. Die Produkte wurden in die Hafenstadt Sakata gebracht, die am Mogami-Fluss liegt, und von dort in bedeutende japanische Städte transportiert. Als Gegenleistung erhielt Nagai Webtechniken und Artikel des täglichen Bedarfs.
In Nagai wird aber auch ein erstklassiger, geschmacklich sehr guter Reis angebaut. Die Ernte beträgt jährlich etwa 14 Tonnen. Und was manchen verwundern wird, es wird Hopfen zur Bierherstellung angebaut. 42 Tonnen werden jährlich gepflückt. Hinzu kommt die Zucht von Streifentabak mit 77 Tonnen im Jahr. Weitaus größer ist mit 320 Tonnen der jährliche Ertrag an Früchten, vor allem an Grapefruit, Äpfeln und Wassermelonen.
Doch auch die Gourmets kommen zu ihrem Recht. Hier wird der beliebte Bullhead gefangen und der Gyoja-Knoblauch angebaut, die Delikatesse für die Zubereitung japanischer Gerichte.
Die Produkte der High-Tech-Industrie werden teilweise ins Ausland exportiert. Es sind Waren für den täglichen Hausgebrauch. Kleine Kapazitäten werden für Präzissionssysteme eingesetzt wie beispielsweise Computer, Fernseher, Videos oder Radios. Auch in der Maschinenwerkzeugherstellung gewinnt Na- gais Industrie an Boden.
Infrastruktur
Die Stadt besitzt ein Krankenhaus und 24 Privatkliniken, des weiteren zehn private Zahnkliniken und ein präfektoral öffentliches Gesundheitszentrum. Kleinkindern stehen zehn öffentliche Kindergärten und weitere zehn bei Wohlfahrtseinrichtungen zur Verfügung.
Neben sechs Grundschulen gibt es je zwei Realschulen und Gymnasien mit öffentlichen Schulkantinen sowie berufliche Bildungszentren. In zwei Heimen werden geistig behinderte Kinder betreut. Den Senioren stehen zwei Altenheime zur Verfügung.
Kulturelle Veranstaltungen werden in einem öffentlichen Kulturhaus, sieben regionalen Gemeinschaftszentren, einer Stadtbücherei und in einem privat geführten Kino angeboten.
Seit jeher legt der Japaner Wert auf körperliche Fitness. So gibt es in Nagai ein Leichtathletikstadion mit einem Schwimmbecken und spezielle Plätze für Basketball, Tennis und Fußball. In der Sporthalle werden dagegen überwiegend die traditionellen Sportarten gelehrt und trainiert wie Judo, Kendo und Kyudo.
Seit 1986 besteht die Freundschaft zwischen Nagai und Bad Säckingen. Mehrfach besuchten in den vergangenen Jahren Sportler die jeweiligen Partnerstädte und dabei wurde ihnen die unterschiedliche Kultur beider Länder näher gebracht. Auch junge Judoka unseres Clubs waren zu Besuch bei japanischen Familien in Nagai, ebenso waren Judokas und Gäste aus Nagai bei uns untergebracht. Wir freuen uns besonders, dass in diesem Jahr erstmals Judokas aus Nagai zu unserem Trompeterturnier kommen und daran teilnehmen.
1976 gründete der Bürgerrat zur Gestaltung der Stadt das Projekt "Die fundamentale Konzeption der Stadt Nagai". Aufgrund von Untersuchungen wurden unter Mitwirkung aller Bürger konkrete Pläne entworfen und in die Tat umgesetzt. So wurden die Lebensbedingungen verbessert und das Wohlfahrtssystem erweitert. Das kulturelle Angebot wurde ebenso wie die schulischen Bedingungen weiterentwickelt. Zur Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens bemüht man sich um verbesserte Arbeitsbedingungen und um eine attraktive Atmosphäre für die Jugend, damit sie am Ort wohnen bleibt.
Zu diesem Konzept gehört auch die Organisationsentwicklung auf Verwaltungsebene für das 21. Jahrhundert durch ein Projektteam junger Verwaltungsbeamter. Ziel ist "Nagai - die Stadt des Wassers, der Grünflächen und der Blumen - die Stadt der Vitalität und der Ruhe".
Quelle: Informationsbroschüren der Stadt Nagai