I.
Eigner Sang erfreut den Biedern,
Denn die Kunst ging längst ins Breite,
Seinen Hausbedarf an Liedern
Schafft ein jeder selbst sich heute.
Drum der Dichtung leichte Schwingen
Strebt´ auch ich mir anzueignen;
Wer wagt´s, den Beruf zum Singen
Einem Kater abzuleugnen?
Und es kommt mich minder teuer,
Als zur Buchhandlung zu laufen
Und der andern matt´ Geleier
Fein in Goldschnitt einzukaufen. |
II.
Wenn im Tal und auf den Bergen
Mitternächtig heult der Sturm,
Klettert über First und Schornstein
Hiddigeigei auf zum Turm.
Einem Geist gleich steht er oben,
Schöner, als er jemals war.
Feuer sprühen seine Augen,
Feuer sein gesträubtes Haar.
Und er singt in wilden Weisen,
Singt ein altes Katerschlachtlied,
Das wie fein Gewitterrollen
Durch die sturmdurchbrauste Nacht zieht.
Nimmer hören ihn die Menschen.
Jeder schläft in seinem Haus,
Aber tief im Kellerloche
Hört erblassend ihn die Maus.
Und sie kennt des Alten Stimme,
Und sie zittert, und sie weiß;
Fürchterlich in seinem Grimme
Ist der Katerheldengreis. |
III.
Von des Turmes höchster Spitze
Schau´ ich in die Welt herein,
Schaue auf erhab´nem Sitze
In das Treiben der Partei´n.
Und die Katzenaugen sehen,
Und die Katzenseele lacht,
Wie das Völklein der Pygmäen
Unten dumme Sachen macht.
Doch was nützt´s? ich kann den Haufen
Nicht auf meinen Standpunkt ziehn,
Und so lass ich ihn dann laufen,
s ist fürwahr nicht schad´um ihn.
Menschentun ist ein Verkehrtes,
Menschentun ist Ach und Krach;
Im Bewusstsein seines Wertes
Sitzt der Kater auf dem Dach! |
IV.
O die Menschen tun uns unrecht,
Und den Dank such´ ich vergebens,
Sie verkennen ganz die feinern
Seiten uns´res Katzenlebens.
Und wenn einer schwer betrunken
Niederfällt in seiner Kammer,
Und ihn morgens Kopfweh quälet,
Nennt er´s einen Katzenjammer.
Katzenjammer, o Injurie!
Wir miauen zart im stillen,
Nur die Menschen hör´ ich oftmals
Grau´nhaft durch die Straßen brüllen.
Ja, sie tun uns bitter unrecht,
Und was weiß ihr rohes Herze
Von dem wahren, tiefen, schweren,
Ungeheuren Katzenschmerze? |
V.
Auch Hiddigeigei hat einstmals geschwärmt
Für das Wahre und Gute und Schöne,
Auch Hiddigeigei hat einst sich gehärmt
Und geweint manch sehnsüchtige Träne.
Auch Hiddigeigei hat einstmals erglüht
Für die schönste der Katzenfrauen,
Es klang wie des Troubadours Minnelied
Begeistert sein nächtlich Miauen.
Auch Hiddigeigei hat mutige Streich´
Vollführt einst, wie Roland im Rasen,
Es schlugen die Menschen das Fell ihm weich,
Sie träuften ihm Pech auf die Nasen.
Auch Hiddigeigei hat spät erst erkannt
Dass die Liebste ihn schändlich betrogen,
Dass mit einem ganz erbärmlichen Fant
Sie verbotenen Umgang gepflogen.
Da ward Hiddigeigei entsetzlich belehrt,
Da ließ er das Schwärmen und Schmachten,
Da ward er trotzig in sich gekehrt,
Da lernt´ er die Welt verachten. |
VI.
Schöner Monat Mai, wie grässlich
Sind dem Kater deine Stunden,
Des Gesanges Höllenqualen
Hab´ ich nie so tief empfunden.
Aus den Zweigen, aus den Büschen
Tönt der Vögel Tirilieren,
Weit und breit hör´ ich die Menschheit
Wie im Taglohn musizieren.
In der Küche singt die Köchin -
Ist auch sie von Lieb´ betöret?
Und sie singet aus der Fistel,
Dass die Seele sich empöret.
Weit aufwärts will ich flüchten,
Auf zum luftigen Balkone,
Wehe! - aus dem Garten schallt der
Blonden Nachbarin Kanzone.
Unterm Dache selber find´ ich
Die gestörte Ruh´ nicht wieder,
Nebenan wohnt ein Poet - er
Trillert seine eig´nen Lieder.
Und verzweifelt will ich jetzo
In des Kellers Tiefe steigen,
Ach! - da tanzt man in der Hausflur,
Tanzt zu Dudelsack und Geigen.
Harmlos Volk! In Selbstbetäubung
Werdet ihr noch lyrisch tollen,
Wenn vernichtend schon des Ostens
Tragisch dumpfe Donner rollen! |
VII.
Mai ist´s jetzo. Für den Denker,
Der die Gründe der Erscheinung
Kennt, ist dieses nicht befremdlich.
In dem Mittelpunkt der Dinge
Steh´n zwei alte weiße Katzen,
Diese dreh´n der Erde Achsen,
Dieser Drehung Folge ist dann
Das System der Jahreszeiten.
Doch warum im Monat Maie
Ist das Aug´ mir so beweglich,
Ist das Herz mir so erreglich?
Und warum wie festgenagelt
Muss im Tag ich sechzehn Stunden
Zum Balkon hinüberschielen,
Nach der blonden Mullimulli,
Nach der schwarzen Stibizzina? |

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