MITEINANDER GEGEN DROGEN
Sucht und Abhängigkeit ! Wir reden darüber !
Vorwort: Das vor 1900 Jahren gesprochene Wort des griechischen Philosophen Irenäus könnte in weiser Voraussicht für unsere Zeit bestimmt sein:
Was man in der Jugend erfährt, wächst mit der Seele und bleibt mit ihr vereint"
Weshalb greifen Menschen zu Drogen?
Weshalb glauben besonders junge Menschen auf Suchtstoffe nicht verzichten zu können?
Weshalb gerät der Mensch in Abhängigkeit?
Sucht" wird abgeleitet aus Sehnsucht"
Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Anerkennung,
Sehnsucht nach Perspektiven, nach Sicherheit und Verständnis.
Je unsicherer und beeinflussbarer der Mensch ist, desto leichter wird er für schnelle Lösungen" -Suchtstoffe- erreichbar sein. Dass jegliche Suchtstoffe -legal oder illegal- nur eine Scheinlösung zu bestehenden Problemen darstellen, können die Betroffenen nicht erkennen, sie befinden sich im Würgegriff der Sucht. In der Lage auf Suchtmittel zu verzichten sind alle diejenigen, die Hoffnung haben. Von allen Psychologen wird Hoffnung" als der sicherste Weg zum Optimismus bezeichnet, als Heilkraft bei seelischem Tief. Menschen, deren Alltag durch Hoffnungslosigkeit geprägt ist, werden versuchen sich von ihren Ängsten zu befreien, sei es durch legale oder illegale Suchtstoffe.
Junge Menschen stehen in einer ungeheuren Vielzahl von Einzelkonflikten mit sich selbst und ihrer Umgebung. Wünsche und Gefühle, Ideen und Werte werden erheblichem Anspruchsdruck und äußeren Zwängen ausgesetzt. Das ausweichen vor Konflikten und Realitätswahrnehmung wird immer öfter zum Regelfall, so dass angebotene Suchtstoffe" als Mittel zur Erleichterung des Erwachsenenseins", des Cool-sein", kein Gefühl von Schwäche zeigen", gelten.
Die Gründe in Abhängigkeit zu geraten sind vielseitig. Perspektivlosigkeit, Neugierverhalten, Konflikte, Langeweile und Traurigkeit sind oft der Grund für den Suchteinstieg. Die Betroffenen glauben zunächst mit Suchtstoffen Vergessen zu finden. Erst sehr viel später realisieren sie selbst ihre Abhängigkeit und den Teufelskreis in dem sie sich befinden. Sie sind ohne fremde Hilfe nicht mehr in der Lage einen Ausweg zu finden.
Weder legale noch illegale Suchtstoffe sind Problemlöser. Dies erkennen die Betroffenen jedoch erst dann, wenn sie als präventive Maßnahme die drei Z" von ihrer Umgebung erfahren.
ZUWENDUNG,
mit dem Schwerpunkt der Möglichkeiten seelisch befreiender Gespräche.
ZÄRTLICHKEIT,
die durch menschliche Anerkennung und Ermutigung das Selbstvertrauen stärkt, innere Sicherheit gibt, das durch ständige Angst gelähmt Gefühl wieder schwingungsfähig macht.
ZEIT,
einem menschlichen Geschenk, das selbst durch das größte materielle Geschenk nicht ersetzbar ist.
Es ist ein langer, dornenvoller und vielfach sogar ein aussichtsloser Weg aus der Abhängigkeit zu kommen, deshalb ist sinnvolle, kontinuierliche Prävention eine der dringlichsten Maßnahmen. Die lapidare Feststellung, dass die Zahl der Erstkonsumenten illegaler Suchtstoffe ständig steigt erfordert rasche und wirksame Maßnahmen.
Wenn in der Umsetzung des Rauschgiftbekämpfungsplanes der Bundesregierung 1992 bereits die Erkenntnis gewonnen wurde, dass sich die Entwicklung der vielschichtigen Drogenprobleme in Deutschland ungewöhnlich ernst darstellt, die Zahl der Erstkonsumenten illegaler Suchtstoffe bereits zu diesem Zeitpunkt um 16,7% gestiegen war, stellt sich die Frage, welche wirksamen präventiven Maßnahmen tatsächlich ergriffen wurden. Es stimm nachdenklich, dass zu diesem Zeitpunkt bereits in die Suchtprävention alle psychoaktiven Substanzen (Tabak, Alkohol, Tabletten usw.) einbezogen werden sollten. Die Werbung für diese psychoaktiven Substanzen darf -fast uneingeschränkt- bedauerlicherweise fast 6 Jahre danach immer noch erfolgen.
Zwischenzeitlich breitet sich eine neue Drogenwelle aus, ganz besonders tragisch ist hierbei, dass die Zahl der Erstkonsumenten illegaler Suchtstoffe immer jünger werden. Eine Aussage des Suchtbeauftragten der Bundesregierung ist zu entnehmen, dass allein die Anzahl polizeilich erstmals auffälligen Konsumenten im Jahr 1997 um fast 20% gestiegen ist (1996 = 17.197 Personen; 1997 = 20.594 Personen).
Bundesweit sind ca. 300.000 Personen Konsumenten harter Drogen" wie Heroin, Kokain etc.; davon sind ca. 150.000 Konsumenten schwerstabhängig (ohne Dunkelziffer).
Die Zahl der Konsumenten sogenannter weicher Drogen" wie Marihuana, Haschisch etc. wird bundesweit mit ca. 3,5 Millionen angegeben (ohne Dunkelziffer).
Besonders betroffen machen die statistischen Angaben über die Zahl jugendlicher Konsumenten zwischen 12 und 18 Jahren, die mit ca. 600.000 Personen mehr oder weniger drogenabhängig sind. Hierbei handelt es sich jeweils um erfasste illegale Suchtstoffe.
Die Zahl der Konsumenten legaler Suchtstoffe (Alkohol, Medikamente etc.) wird zwar bundesweit mit ca. 2,8 Millionen angegeben, die Dunkelziffer dürfte hier ebenfalls eine erschreckende Personenzahl ergeben. Die Behandlungskosten der Schäden werden mit ca. 20 Milliarden DM beziffert).
Die Einstiegsdroge Hasch" wurde durch Ecstasy" abgelöst. Erstkonsumenten dieser illegalen Droge sind bereits 12- bis 13-jährige.
25.000 Heroinabhängige sind bundesweit im Methadon-Programm".
Sofern sich die ca. 300.000 Konsumenten harter Drogen zu einer Entzugstherapie entschließen würden, stünden bundesweit 5.230 Therapieplätze mit 430 Therapeuten den Therapiewilligen zur Verfügung; pro Therapeut rund 700 Konsumenten!!
Die Beschaffung von illegalen Suchtmitteln stellt kaum ein Problem dar. Die Preis für Rauschgift werden immer niedriger, damit auch den Jüngsten der Einstieg in die Abhängigkeit ermöglicht wird. Die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität gestaltet sich immer schwieriger. Die Gewaltkriminalität nimmt ständig zu. Die Zahl statistisch erfasster bekanntgewordener Fälle hat sich im Jahr 1996 von 187.022 Delikten auf 198.873 im Jahre 1997 erhöht. Die Zahl nicht bekanntgewordener Fälle konnte nicht erfasst werden.
Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse besteht für die Umsetzung des Rauschgiftbekämpfungsplanes aus dem Jahre 1992 nunmehr höchster Handlungsbedarf der verantwortlichen Politiker. Die dortige Forderung an die Politiker die bisherige Drogenpolitik zu überprüfen und Konsequenzen aus den Erfahrungen zu ziehen" ist höchst aktuell. Der Milliarden-Import illegaler Suchtstoffe nach Deutschland muss gestoppt werden, dies muss die Aufgabe des Rechtsstaates sein. Hierzu sind alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen.
PRÄVENTION:
Allein das Wissen über die Schäden, die durch Suchtstoffe verursacht werden kann das NEIN" zum Einstieg in die Sucht erleichtern. Deshalb wird in Kurzform auf die Schäden durch Suchtstoffe eingegangen.
Legale Suchtstoffe:
Alkohol: Die Behandlung alkoholbedingter Schäden erfordert bundesweit jährlich ca. 20 Milliarden DM. Missbrauch verursacht schwere Herz- und Kreislauf-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen- und Nierenschäden bzw. irreparable Hirnschädigungen.
Medikamente: Der Missbrauch von Medikamenten führt wie alle Suchtstoffe zu schweren psychischen und physischen Schädigungen, Wesens- veränderungen usw.
Tabakwaren: Die krebserzeugende Wirkung von Tabakwaren ist zwischenzeitlich bekannt. Lungen- und Kehlkopfkrebs durch die Teerstoffe, Herz- und Kreislaufschäden.
Illegale Suchtstoffe:
Haschisch: Rauscherzeugende Wirkung durch Tetrahydrocannabinol (THC), welches sich im Körper einlagert. Der Abbau dieses Schadstoffes braucht eine lange Ausscheidungszeit. Regelmäßiger Gebrauch führt zu Wesensveränderungen und schweren Schäden.
Heroin: Heroin ist ein gefährliches Rauschgift, besonders gravierend sind die Folgeschäden.
Kokain: Kokain führt zum Persönlichkeitsabbau. Es belastet den menschlichen Organismus, insbesonders wegen seiner gefäßverengenden Wirkung; Schädigung der Hirnrinde usw.
Designerdrogen:
Ecstasy: Ein Abkömmling von Amphetamin oder China-White". Besonders gefährlich wegen seiner neurotoxischen Wirkung (giftig für das Nervensystem).
Prävention zur Suchtbekämpfung:
Ins Stammbuch aller Politiker gehört geschrieben:
Zu einer der wichtigsten Präventionsmaßnahmen gehört die Schaffung von Ausbildungs- und Anschlussarbeitsplätzen für junge Menschen, eventuell durch Bereitstellung staatlicher Fördermittel.
Sparmaßnahmen im Bildungssektor sind demotivierend und sollten schnellstens beseitigt werden.
Unterstützung von Vereinen und privater Initiativen, Förderung und Anerkennung von ehrenamtlicher Tätigkeit in der Jugendarbeit.
Glaubwürdigkeit politischer Aussagen in Jugendfragen.
Zur Vorbeugung gehört intelligente Information über Gift, Sucht und Milieu, die der Neugier den Boden entzieht, ohne den Reiz des Verbotenen hervorzulocken. Zur Vorbeugung gehört Einsatzbereitschaft.
Sollen unsere jungen Menschen mündige, verantwortungsbewusste, urteilsfähige Bürger werden, müssen wir ihnen den Weg ebnen und sie zum Selbstdenken anregen.
Sehr wohl wissen unsere Jugendlichen Einsatzbereitschaft zu schätzen, in gleicher Form bewerten sie aber auch fehlendes Interesse.
Gisela Arendt